
Introtext der Weiterqualifizierungsarbeit zum Berliner Frauen-Lesbenzine "Pelze Press. Betreut von Rebecca Stephany und Johanna Schaffer, Kunsthochschule Kassel
Suchen und Finden
In meiner Arbeit als Gestalterin beschäftige ich mich unumgänglich mit dem Verhältnis von Gestaltung und Inhalt. Dafür schlüpfe ich in Räume und Rollen in denen ich Suche um zu Finden. Geleitet von dem Versuch etwas Bedeutendes zu erschaffen – erst unter Spannung, dann erleichtert es verloren zu haben (Kill your Darlings) um es anschließend noch tiefer zu suchen bis es die richtige Gestalt annehmen kann.
Zwischen dem Inhalt und seiner ersten Erscheinung in Rohform suche ich in seiner zweiten Form der Metapher – nach seiner Gestaltung.
Was ich finde, halte ich nicht fest, um es zu halten, sondern um es in einer Schlaufe zu denken. Ich fertige konzentriert und lustvoll Kopien an, Abbildungen, Verschiebungen und Neuanordnungen. Im Gestalten ist das Finden nie endgültig; es bleibt vorläufig, fragil in einer Spannung zwischen Zweifel und Geschmack. Entscheidungen entfernen mich vom Startpunkt oder bringen mich mit einem U-turn wieder an ihn zurück. Es bildet sich ein Raum dazwischen aus dem Ganzen aus mir und dem selektierten um mich. Suchen ist hier kein linearer Prozess, sondern eine Bewegung aus Annäherung, Verlust und Vertrauen.
Suchen im Archiv wiederum heißt, mit genau diesen Lücken, diesen Räumen dazwischen zu arbeiten. Sich zu orientieren, obwohl womöglich etwas fehlt, obwohl es irgendwo da ist, ich es aber nie finden werde. Verbindungen herzustellen, ohne sie vollständig erklären zu können. Vielleicht geht es dabei weniger um das Finden eines klaren Bildes als um das Erkennen von Bewegungen, von Haltungen, von Praktiken des Weitergebens.
Um wieder auf meinen ersten Satz zurück zu kommen: Ich suche nach dem Verhältnis von Inhalt und Gestaltung. Eine schwammige, vieldeutige Formulierung; noch nicht präzise in ihren Worten sondern in meiner Intuition gefasst. In meiner eigenen Arbeit dieses Verhältnis zu beschreiben wäre für mich wie eine Slideshow bei einem Studiovisit, oder wenn ich Studierenden meine/unsere Arbeiten zeige, eine Instagram-Caption oder ein Text für eine Bewerbung auf eine Stelle. Ich möchte nicht die Unsichtbarkeiten meiner Absichten erkläre bis sie auch für andere Sinn machen, sondern das beschreiben was da ist, für die Person im Außen, was einordbar ist in Kontext und Umstand.
Ich möchte Gestaltung suchen, finden und untersuchen, die aus einer Dringlichkeit heraus entstanden ist, einer Gleichzeitigkeit der Produktion von Inhalt und Gestaltung. Aus einer Laienhaftigkeit die, wo es keine Stellvertreter*innen gibt sondern die direkte Repräsentation, so meine These, unmittelbar die Objekte der Gestaltung skripted. Wo Publisher*innen auch gestalten und Inhaltlich selbst betroffen sind. Von außen nach Innen, mit meinen gestaltenden Augen Lesen, historiographien verstehen und im Schreiben das archivierte zu aktivieren. Um zu suchen um zu finden. Um zu suchen um zu finden.

Lecture on "Pelze Press", Notes On Event 2026

Bold, slick, simple, clear, my mind, Diplom, 2020

De-Speaking De-sign, Ausschnitt, 2021

*

De-Speaking De-sign, Kunstverein Leipzig, 2021


Taking a Line for a Walk, Nina Paim, Corrine Gisel

*

Lesendes Mädchen, Franz Eybl

Introtext der Weiterqualifizierungsarbeit zum Berliner Frauen-Lesbenzine "Pelze Press. Betreut von Rebecca Stephany und Johanna Schaffer, Kunsthochschule Kassel
Suchen und Finden
In meiner Arbeit als Gestalterin beschäftige ich mich unumgänglich mit dem Verhältnis von Gestaltung und Inhalt. Dafür schlüpfe ich in Räume und Rollen in denen ich Suche um zu Finden. Geleitet von dem Versuch etwas Bedeutendes zu erschaffen – erst unter Spannung, dann erleichtert es verloren zu haben (Kill your Darlings) um es anschließend noch tiefer zu suchen bis es die richtige Gestalt annehmen kann.
Zwischen dem Inhalt und seiner ersten Erscheinung in Rohform suche ich in seiner zweiten Form der Metapher – nach seiner Gestaltung.
Was ich finde, halte ich nicht fest, um es zu halten, sondern um es in einer Schlaufe zu denken. Ich fertige konzentriert und lustvoll Kopien an, Abbildungen, Verschiebungen und Neuanordnungen. Im Gestalten ist das Finden nie endgültig; es bleibt vorläufig, fragil in einer Spannung zwischen Zweifel und Geschmack. Entscheidungen entfernen mich vom Startpunkt oder bringen mich mit einem U-turn wieder an ihn zurück. Es bildet sich ein Raum dazwischen aus dem Ganzen aus mir und dem selektierten um mich. Suchen ist hier kein linearer Prozess, sondern eine Bewegung aus Annäherung, Verlust und Vertrauen.
Suchen im Archiv wiederum heißt, mit genau diesen Lücken, diesen Räumen dazwischen zu arbeiten. Sich zu orientieren, obwohl womöglich etwas fehlt, obwohl es irgendwo da ist, ich es aber nie finden werde. Verbindungen herzustellen, ohne sie vollständig erklären zu können. Vielleicht geht es dabei weniger um das Finden eines klaren Bildes als um das Erkennen von Bewegungen, von Haltungen, von Praktiken des Weitergebens.
Um wieder auf meinen ersten Satz zurück zu kommen: Ich suche nach dem Verhältnis von Inhalt und Gestaltung. Eine schwammige, vieldeutige Formulierung; noch nicht präzise in ihren Worten sondern in meiner Intuition gefasst. In meiner eigenen Arbeit dieses Verhältnis zu beschreiben wäre für mich wie eine Slideshow bei einem Studiovisit, oder wenn ich Studierenden meine/unsere Arbeiten zeige, eine Instagram-Caption oder ein Text für eine Bewerbung auf eine Stelle. Ich möchte nicht die Unsichtbarkeiten meiner Absichten erkläre bis sie auch für andere Sinn machen, sondern das beschreiben was da ist, für die Person im Außen, was einordbar ist in Kontext und Umstand.
Ich möchte Gestaltung suchen, finden und untersuchen, die aus einer Dringlichkeit heraus entstanden ist, einer Gleichzeitigkeit der Produktion von Inhalt und Gestaltung. Aus einer Laienhaftigkeit die, wo es keine Stellvertreter*innen gibt sondern die direkte Repräsentation, so meine These, unmittelbar die Objekte der Gestaltung skripted. Wo Publisher*innen auch gestalten und Inhaltlich selbst betroffen sind. Von außen nach Innen, mit meinen gestaltenden Augen Lesen, historiographien verstehen und im Schreiben das archivierte zu aktivieren. Um zu suchen um zu finden. Um zu suchen um zu finden.

Lecture on "Pelze Press", Notes On Event 2026

Bold, slick, simple, clear, my mind, Diplom, 2020

De-Speaking De-sign, Ausschnitt, 2021

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De-Speaking De-sign, Kunstverein Leipzig, 2021


Taking a Line for a Walk, Nina Paim, Corrine Gisel

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Lesendes Mädchen, Franz Eybl
